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Good morning STEINFELD !
Kolumne zum Wochenbeginn
Numero 120

ocs

Unlängst erzählte mir ein guter Freund,
er hätte ein interessantes Gespräch
mit einem Mitarbeiter des Bergamtes Stralsund geführt.

Für alle Uneingeweihten:
Schon in zu DDR-Zeiten gab es in Stralsund ein Bergamt,
da auch in ihr die Förderung jeglicher Bodenschätze dem Bergrecht unterlag.
Stralsund schien den damals Verantwortlichen
mit seiner mutmaßlich zentralen Lage
im bedeutendsten Erdölfördergebiet am geeignetsten.

Sinnvoll, wie wir heute wissen,
denn die Förderung und die „abbauhöffigen“ Gebiete
befinden sich vornehmlich um die schöne Hansestadt herum,
von Usedom bis hin nach Rostock.

Jedenfalls erhellte sich für den guten Freund aus besagtem Gespräch
eine interessante Sichtweise dieses Beamten
auf das von mir schon öfter „bearbeitete“ Fracking.

Für alle Unwissenden und Vergesslichen:
Hierbei wird unter höchstem Druck
ein Chemiecocktail in Bodenschichten gepresst,
die von Erdöl/-gas durchtränkt sein sollen,
damit es aus der Schicht an die Oberfläche gelangt.

Der Beamte ist offensichtlich mit den bergrechtliche Aspekten
dieser doch mehr als umstrittenen Methode befasst,
denn anders als in vielen anderen Ländern der Welt
gehört den Grundeigentümern in Deutschland
nur der Grund, welcher an der Oberfläche liegt,
nicht aber all das, was sich in den Tiefen des Bodens verbirgt.

Daraus nun wieder folgt,
dass bei nachgewiesener Förderwürdigkeit von jedweden Bodenschätzen
andere das Recht dazu erlangen können, diese auszubeuten,
was wiederum bedeutet,
dass eine Fremdnutzung oder sogar die Enteignung des eigenen Grundes
zum Zwecke der Gewinnung von Bodenschätzen
gegen den Willen des Grundeigentümers
nicht nur nicht ausgeschlossen ist,
sondern auch durchsetzbar.

Zurück zur Sichtweise des Beamten:
In langen Gesprächen mit den Vertretern der interessierten Firmen
gelangte er nach eigenem Bekunden zur Erkenntnis,
dass Fracking nicht annähernd so schlimm sei,
wie es die hysterische deutsche Öffentlichkeit wahrnimmt.

Er hatte in den Gesprächen erfahren dürfen,
dass Fracking im Prinzip völlig ungefährlich ist
und die eklatanteste Auswirkung auf die betroffenen Gebiete
ein unglaublicher Wirtschaftsboom sein würde.

Nicht nur Öl und Gas würden in Unmengen fließen,
sondern auch Milch, Honig und Geld.

Er (besagter Beamter) könne nicht verstehen,
warum die Unwissenden nicht glücklich darüber sein wollen,
welch goldene Zukunft vor der Region liegen wird,
wenn erst einmal gefrackt wird,
bis es allenthalben sprudelt,
in die Ölfässer,
wie auch in die Geldbörsen.

Man könne doch mal in die USA,
dem Mutterland auch dieser neuen Methode der Reichtumsmehrung schauen,
dort würden ehedem tote Regionen nun prosperieren
und die Petroldollars würden die vordem verschlafenen Countys
zu neuem Leben erwecken.

Die Technik sei sowieso sicher,
besonders in Deutschland,
jedenfalls viel sicherer,
als die uninformierten Gegen-alles-Stänkerer behaupten.

Gut das die Schulungen der bohrgeilen Frackingfirmen
nicht die ultimativ letzte und einzige Informationsquelle
zum Thema sind,
egal welcher Mitentscheider da „bestrahlt“ wird.

Besser ist,
dass es wenigstens noch ab und an Leute gibt,
welche ihre Sinne halbwegs beieinander haben
und auch mal die weniger coolen Aspekte
dieser und anderer Sachen beleuchten.

Keine Sorge,
es kommt jetzt nicht
der viertausendsiebenhundertzweiundachtzigste Abriss
über die Umweltsauerei des Fracking.

„Plusminus“ – ein Magazinformat
der öffentlich-rechtlichen Sendergemeinschaft
eröffnete mir und den anderen Konsumenten
des hier folgend zitierten Beitrages
eine aktuelle Sicht
auf die so offensiv propagiertem Reichtumsprognosen der Veranstaltung.

110 MRD USD Verlust
fährt die Frackingindustrie in Nordamerika
derzeit pro Jahr ein.

Die vielen aus anderem Zusammenhang
nicht unbekannte Ratingagentur Fitsch
stuft Börsenpapiere der Frackingfirmen
inzwischen als „toxisch“ ein
- zum Vergleich:
Griechische Staatsanleihen liegen mit ihrem „Ramschniveau“
noch deutlich über der Bonität dieser „Goldpapiere“,
wie sie noch vor kurzem hießen.

Auf 435 MRD USD
werden die Gesamtverluste der Branche
aus den letzten Jahren taxiert,
kein Fondsmanager fasst noch Frackingaktien an.

In dem Beitrag von „Plusminus“ wird sehr deutlich,
dass die Branche schon seit Jahren
wie in einem Schneeballsystem arbeitet.

Die Kapitaldienste für die früheren Geldgeber
werden mit frischem Geld bedient,
welches von den immer noch vorhandenen Schlafmützen
eingesammelt wurde und wird,
die den Schuss noch nicht gehört haben.

Immer schneller müssen immer neue Löcher gebohrt werden,
um Aktivität und Ertrag vorzutäuschen.

Will heißen:
Das Land wird weiter,
allerdings nun vollkommen sinnlos zerlöchert,
damit „der Motor weiter läuft“

Wie Junkies hängen die Blinden und Tauben
an der Nadel der Gier
und merken nicht,
dass die Party längst vorbei ist.

Wie konnte das passieren ?

Man wollte die Russen und die OPEC in die Knie zwingen,
mit dem eigenen Ölmassen.

Kalkuliert wurde:
Der Russe geht bei einem Barrelpreis von unter 74 USD am Stock.
Die OPEC-Heinis sollten in die Schranken gewiesen werden.

ergo verdient ihr kein Geld mehr und wir sind die Kings.“

Was man neben der alles vernebelnden Gier,
für einen schnellen Dollar
das eigene Land nun final zu verhuren
weiterhin nicht hinreichend beachtete ist,
dass man selbst nur dann profitabel fracken kann,
wenn der Barrelpreis über 85 USD liegt.

Das wissen aber nicht nur die Amis,
sondern auch Russen und die OPEC.

Ruck zuck haben die den Ölhahn weiter aufgedreht
und sitzen nun auf ihren selbstsprudelnden Quellen
und schauen zu, wie der US Ölboom im Sande verläuft.

Was man wohl auch nicht beachtete:
Das Geld und die Gier haben keinen Patriotismus,
den haben nur Armut und Verzweiflung.
Die Fondmanager gehen mit der Kohle dahin,
wo es sicher und viel zu verdienen gibt.

Das ist eben nicht,
jedenfalls nicht mehr,
in den USA.

Es ist halt schlecht mit sauteuer gefracktem Öl
gegen Leute zu konkurrieren,
die nur ein Loch in Erde bohren müssen,
damit es sprudelt.

Menschen mit Verstand haben das von Anfang an gesagt
und die Ölscheichs im Nahen Osten
sind nun mal nicht die Freunde der USA,
die (USA) haben nämlich keine,
weil sie selbst auch nur zu denen und so lange freundlich sind,
wie sie etwas von ihnen wollen.

Die Lektion haben die Scheichs gelernt und sich gesagt:
„Drehen wir mal den Ölhahn auf bis ca. 50 USD pro Barrel,
mal sehn was passiert.
Denn derzeit ist das noch unser Geschäft !“


Und der Russe ?

Der blutet
- aber nicht aus !

Wissen wir nicht bestens
über seine Leidensfähigkeit und Ausdauer bescheid ?
Ist wohl schon zu lange her.

Mal sehn ob wir hier was merken
und diesen US-Trend mal auslassen.

Die Zukunft liegt nicht im Öl,
jedenfalls bei der Mobilität.

Was wir jetzt erleben,
sind doch nur kleine Vorgefechte.

Have a nice week !


M. Eckart, ocs

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